Wetterwarte in Zinnwald

Wetterstation in Georgenfeld

Chronik der Wetterwarte Zinnwald

Sehr frei auf dem Kamm des Osterzgebirges gelegen, nahm am 01.01.1971 die Wetterwarte Zinnwald ihren Betrieb auf. Besonders an Tagen ohne Nebel und sonstigen störenden Einflüssen bietet sich vom Beobachterraum aus ein herrlicher Blick über Dresden und das Elbsandsteingebirge. Bei besonders günstiger Wetterlage sogar bis hin zum Riesengebirge, das sind 140 Kilometer Sichtweite zur Schneekoppe. Aber solche Tage gibt es relativ selten. Es herrscht ein sehr raues Klima vor.

Vom 01.10.1947 bis zum 31.12.1970 wurden die Beobachtungen auf dem 4,7 Kilometer entfernten und 823 Meter über dem Meeresspiegel gelegenem "Geisingberg" durchgeführt. Der "Geisingberg" ist ein einzelner 60 bis 80 Meter über die Umgebung aufragender bewaldeter Bergkegel im Kammgebiet des Osterzgebirges. Er liegt etwa 3 Kilometer nordostwärts der Bergstadt Altenberg. Die Wetterwarte war in einer Baracke untergebracht und befand sich auf der Kuppe des Berges auf einer von 10 Meter hohem Laubwald umstandenen mit einzelnen Bäumen durchsetzten Bergwiese. Ein 19 Meter hoher steinerner Aussichtsturm stand und steht noch heute auf dem Gipfel des Berges. Die Thermometerhütte befand sich in 7 Meter Entfernung vom Dienstgebäude. Der Gebirgsregenmesser stand, leider nicht ganz ausreichend von Hindernissen entfernt, inmitten der Bergwiese. Das Stationsgebäude war auch noch mit einem 7 Meter hohem Turm versehen, auf welchem der Blick nach allen Seiten hin über die Wipfel der Bäume frei war. Die Windfahne und der Sonnenscheinautograph befand sich auf dem Turm der Wetterwarte. ( Quelle: Stationsbeschreibung der Wetterwarte Geisingberg )

Der Baracke schien das Klima in unseren Höhenlagen mit der Zeit recht zugesetzt zu haben, denn im Winter war es im Stationsgebäude recht kühl und zugig, wie ehemalige Beobachter zu berichten wussten. Da sich eine Rekonstruierung an diesem Standort nicht mehr zu lohnen schien, das Gebiet war mittlerweile auch zum Naturschutzgebiet ernannt worden, entschloss sich der damalige "Meteorologische Dienst der DDR" für einen Neubau an einer anderen Stelle.

Der neue Standort liegt, wie oben schon erwähnt, auf dem Kamm des Osterzgebirges, in 877 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, direkt an der Grenze zu Tschechien. Aufgrund seiner Lage wurden und werden an der Wetterwarte neben den üblichen Messungen und Beobachtungen viele Sondermessungen durchgeführt. Da wären vor allem die Messungen von Schwefeldioxid, Stickoxide, Staub, Nebelfrostablagerungen und der Sammlung des Nebel- und Niederschlagswassers zu nennen. Die Überwachung des Zustandes der Luft unterliegt seit der Wende vollständig den Mitarbeitern des "Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie" und seinen untergeordneten Bereichen. Die Wetterbeobachter, welche früher auch Auswertungen bei den Messungen für Schwefel- und Stickoxide durchführten, sammeln heute nur noch den Niederschlag im eigens dafür entwickelten "Eigenbrodtsammler". Des weiteren werden auch heute noch Daten über die Art, die Länge und die Masse von Nebelfrostablagerungen gesammelt und an das RGB Potsdam weitergemeldet. Von den 4 Beobachtern wird im 2-Schichtsystem das Wetter beobachtet. Über die Anzahl des Stationspersonals zu Beginn der Beobachtungen in Zinnwald liegen leider keine Angaben mehr vor. Da die Station der Meldegruppe II angehört, übernimmt dann nachts der Automat die Zusammenstellung und Übermittlung der Wettermeldung. Die Wetterfrösche an der Station in Zinnwald sind auch den ganzen Weg des technischen Fortschritts des MD’s und später des DWD’s mitgegangen. Wie auch auf ihrem Vorgänger, dem "Geisingberg", wurden die Wetterbeobachtungen am Anfang auf konventionelle Weise durchgeführt und die Meldung wurde per Telefon an eine Sammelstelle weitergemeldet. Erst nach und nach wurden mit der Entwicklung und dem Aufbau der AFMS-1 (automatisch fernmeldende meteorologische Station) immer mehr meteorologische Größen automatisch erfasst. Während der Besetztzeit übernahm der Beobachter die Aufgabe der Zusammenstellung der Wettermeldungen und Weiterleitung. Seit September 1989 steht an der Wetterwarte der Nachfolger, eine AFMS-2.

Nach der Wende kamen dann nicht nur technische Neuerungen auf die Beobachter zu, sondern auch die Übernahme in den "Deutschen Wetterdienst". Dieser Umstand wirkte sich positiv auf die Wetterwarte aus. So wurden im Zuge des "Messnetzes 2000" die gesamte Station und das Messfeld einer Runderneuerung unterzogen. Seit Januar 2001 werden an der Wetterwarte Zinnwald auch Daten über den Zustand der Atmosphäre mit radioaktiven Stoffen gemessen. Die Radioaktivitätsmessstelle und die Sonderfunknetzanlage der ehemaligen Radiosondenstation Wahnsdorf zogen damals mit 2 Mitarbeitern an die Wetterwarte nach Zinnwald um. Die beiden Mitarbeiter haben sich nach eigenen Aussagen doch schon recht gut an das Klima in Zinnwald gewöhnt. Mit diesen Mitarbeitern besteht das Stationspersonal zur Zeit aus 4 Wetterbeobachtern und einer Fachkraft für die Radioaktivitätsmessung.

Seit dem 21. Juni 2006 ist an der Wetterwarte Zinnwald die AMDA I in Betrieb und hat damit die AFMS-2 abgelöst.

 

Blick auf das verschneite Hinter - Zinnwald, Ortsteil Brücken

Blick in Richtung Milleschauer

Zinnwald-Georgenfeld ist die kälteste bewohnte Ortschaft Deutschlands.

Die Audioaufnahme stammt aus einer Radiosendung
vom “Deutschlandradio Kultur”, vom 27.12.2006 gegen 13:20 Uhr,
in der es um das Thema Kälte ging.
Die Reportage über Zinnwald wurde von Frau
Stefanie Müller-Frank,
Volontärin im Landesstudio Sachsen, gemacht und die Veröffentlichung
verdanken wir Ihrer freundlichen Genehmigung.

(Herzlichen Dank, an Frau Strefanie Müller-Frank, für den netten Besuch in Zinnwald
und weiterhin viel Erfolg im Beruf und Glück im Leben.)

 

Autor: Herr Roman Kristof