Geschichtsdaten von 1378 - 2002

 

 

Vorwort

Am 22.November 1378 taucht der Name Zinnwald erstmals urkundlich auf. Dies war bei der Versetzung des Zinnwalder Priesters nach Bernau im Kreis Komotau.

Laut Bekundung eines sächsischen Heimatforschers soll Zinnwald aber schon im Jahre 1134 in der Chronik der Markgrafenschaft Meißen als “ansehnlicher Bergflecken mit Bäcker, Fleischer und Schmied” vermerkt worden sein. Weiterhin ist in einer Urkunde der Bergstadt Graupen, aus dem Jahre 1305, zu lesen, dass der Böhmenkönig Wenzel II. dem Zisterzienserorden in Teplitz schon im Jahre 1297 den “Zinnberg” geschenkt hat. Das lässt also die Schlussfolgerung zu, dass Zinnwald wahrscheinlich schon älter ist.

Name und Entstehung

Namentlich wurde Zinnwald also erstmals in besagter Urkunde vom 22. November 1378 erwähnt und deshalb lassen wir dieses auch als offizielles Entstehungsdatum stehen. Um diese Zeit sind außerdem auch die ersten Zinnschürfungen um Zinnwald nachgewiesen und das Zinn, der damals fast undurchdringliche Wald, aber auch die Bergstadt Graupen spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung Zinnwalds. Die Graupener Bergleute sollen in Richtung Erzgebirgskamm gezogen sein, weil ihre Erzgänge verschwanden, und im Zinnwald sollen sie auf größere Mengen zinnhaltiges Gestein gestoßen sein.
 
>> Sage: “Der Schacht zu den wunderlichen drei Köpfen in Zinnwald”
 

Geschichtsdaten


1378: Zinnwald wird erstmalig “urkundlich” als Zinnwald genannt.

1420: Zinnwald förderte bereits mehr Zinn als Graupen.

1436/1440: Graupener Unternehmer beginnen in Altenberg mit dem Zinnabbau.

1452/1458: Bau des Aschergrabens für die Altenberger Erzmühlen.

1464: Verkauf des Aschergrabens an Altenberger Zinner.

1466: Die Graupener Bürger Hans Taub und Frau Zechel verzichten auf alle Abbaurechte in Zinnwald.

4.August 1489: Zinnwald wird mit Neugeising aus der Kirchengemeinde Lauenstein ausgepfarrt und der Pfarrei Geising zugeschlagen.

30. Juni 1520: Rudolf von Bünau bestätigt der Bergstadt Geising Privilegien in Zinnwald.

1526: Die böhmischen Stände wählen Ferdinand I. zum König. Er vereint die Länder der Wenzelskrone Böhmen, Mähren und Schlesien unter dem Doppeladler Österreich - Ungarns.

1537: Zwischen dem Königreich Böhmen/Kaiserreich Österreich - Ungarn und dem Herzogtum Sachsen wird ein verbindlicher Grenzverlauf festgelegt. Durch diese Grenze wird das bis dahin einheitliche Zinnwald in ein Böhmisch-Zinnwald und ein Bünauisch-Zinnwald (Sächsisch-Zinnwald) geteilt, diese Grenze verläuft mitten durch den Ort. Die Grenze ist bis 1918 die Grenze zwischen Deutschland bzw. dem Deutschen Reich und der Donaumonarchie Österreich - Ungarn.

1554: Zinnwald wurde von der königlichen Bergstadt Graupen einverleibt und im gleichen Jahr durch den Fürsten Adam Hrzan v Harrachsdorf mittels “Kaiserlicher Genehmigung” erworben.

1562: Gründung von “Böhmisch-Zinnwald” durch Privileg des Kaisers Maximilian II. .

1570: Erste Ansiedler auf der sächsischen Seite von Zinnwald.

1580: Anschlagung des “Tiefe Bünau Stollen” in Zinnwald.

1596: Fertigstellung des “Tiefen Bünaustollen” in Zinnwald.

1620: Die Grubenanteile der Fam. v. Harrachsdorf wurden an die Bergstadt Graupen zurückverkauft.

1624: Die ersten protestantischen Bergleute mit ihren Familien wurden aus religiösen Gründen nach Sachsen vertrieben und besiedelten dort Alt-Georgenfeld.

1634: Zinnwald erhielt das Schankrecht für Bier und Wein. Zu dieser Zeit wurde der Bergbau nur mäßig betrieben.

22. Jänner 1637: Es ergeht der Befehl übers Erzgebirge, die Pässe neuerlich zu verhauen.

1638: Wegen kriegerischen Ereignissen in Zinnwald (30-jähriger Krieg) wurde der Bergbau eingestellt.

1639: Die Schweden ziehen plündernd, raubend und mordschatzend über den Erzgebirgskamm.

1648: Bis in dieses Jahr schwelte der Krieg über den böhmischen Ländern und besonders über dem Erzgebirge und auch Zinnwald. Da auch Zinnwald durch die Lutherische Reformation aus dem Jahre 1517 nicht verschont blieb und sich mehrheitlich protestantisch bekannte, aber Österreich - Ungarn die Rekatholisierung verschärft vorrantrieb, zeichnen sich schwere Schicksalsjahre für die Protestanten ab.

1656: Wiederaufnahme des Zinnbergbaus durch kaiserliche Anordnung.

1664: Im Grundbuch wird das “Bergstädtchen Unter- und Ober-Zinnwald” erwähnt.

1671: Die Böhmischen Bergleute besiedeln und gründen Alt-Georgenfeld.

1717: In diesem Jahr ist Zinnwald im Steuerregulativ als “Bergstadt” verzeichnet worden.

1728: 800 protestantische Bergbaufamilien verlassen den Böhmischen Zinnwald und gründen neben Alt- Georgenfeld die Exulantensiedlung Neu-Georgenfeld und weiter östlich an der Grenze gegenüber Böhmisch-Müglitz die Ansiedlung Gottgetreu.

1732: Einweihung der in 3 Jahren erbauten katholische Pfarrkirche “Maria Himmelfahrt” in Zinnwald.

1756: Beginn des von Preussen verschuldeten Siebenjährigen Krieges, indem das Erzgebirge und auch Zinnwald  erneut unter den Kriegswirren zu leiden haben.

1771/72: Durch Missernte im Erzgebirge herscht auch in in Zinnwald eine Hungersnot. Durch die Hungerjahre verhungern, in den ärmlichen Gebirgsdörfern, zahlreiche Menschen und Kinder.

1809: Preussische und österreichische Truppen machen, auf ihrem Kampf gegen Napoleon Bonaparte, Quartier in Zinnwald.

1813: Im Juli besucht Geheimrat Johann Wolfgang v. Goethe Zinnwald. Er reiste, von einem Kuraufenthalt in Teplitz, nach Zinnwald übernachtet im Sächsischen Reiter und betreibt seine bergbaulichen Studien.
 

1814 bis 1816: Im Erzgebirge herrscht die zweite große Hungersnot, da die Felder infolge des Krieges gegen Napoleon nicht mehr abgeerntet werden konnten, es herrscht abermals große Not in Zinnwald. In den Folgejahren kommt es immer auch häufiger zu Missernten, weil die Sommer sehr nass und kühl sind.

1843: Zinnwald wird von einem verheerenden Hagelunwetter heimgesucht. Um diese Jahre wird in Zinnwald die Bast- und Strohflechterei neben dem Bergbau zum wichtigsten Erwerbszweig der Zinnwalder.

1866: In diesem Jahr entlädt sich die Rivalität zwischen Preussen und Österreich erneut im Deutschen Preussisch Österreichischen Krieg und preussische Truppen ziehen wieder über den Zinnwalder Pass in Richtung Teplitz.

19.Mai 1868: Der Preussische König Wilhelm I. und seine Gemahlin (beide sind begeisterte Liebhaber des Erzgebirges) reisen über Zinnwald zur Kur nach Teplitz.

1903: Die Evangelische Synode wird im Gasthaus “Biliner Bierhalle” durch Zinnwalder Katholiken und dem Pfarrer mehr oder weniger rabiat aufgelöst.

1914: Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin beginnt die Mobilmachung (1. Weltkrieg), Österreich hat Serbien den Krieg erklärt und dieser forderte auch in Zinnwald seine Opfer.

1916: Hinterzinnwald wird an das Stromnetz angeschlossen und eine Lichtgenossenschaft gegründet. Vorderzinnwald erhält bis zum Ende des zweiten Weltkrieges kein Licht. Wann Sächsisch-Zinnwald und Georgenfeld an den Strom ging, ist leider nicht zu erfahren.

28.10.1918: Proklamation des tschecho-slowakischen Nationalstaates nach dem Zerfall Österreich - Ungarns und der Abdankung des Kaisers, die sudetendeutschen Gebiete werden von den Tschechen militärisch besetzt, es kommt zu blutigen und tödlichen Auseinandersetzungen in ganz Deutschböhmen.

1918: Die staatlichen Arbeitsplätze bei Post, Zoll und Finanzwache in Zinnwald werden im Dezember wie andernorts auch mit tschechischen Beamten besetzt. Die deutschen Schulen werden aufgelöst und tschechische Schulen eingerichtet, diese oft für nur wenige tschechische Kinder. Man schafft künstliche tschechische Minderheiten im deutschen Gebiet, um das Vorhandensein geschlossener deutscher Sprachgebiete zu leugnen und lügt die Zahl der Deutschböhmen bei den Siegermächten von 3 Millionen Deutschen auf eine Million herunter.

4.3.1919: 54 unbewaffnete Deutschböhmen werden, während friedlicher Demonstrationen in Böhmen für das deutsche Selbstbestimmungsrecht, vom tschechischen Militär erschossen und 100 verletzt.

1921: Die Volkszählung in Zinnwald ergab in Hinterzinnwald 1.220 Deutsche, 10 Tschechen und für Vorderzinnwald 248 Deutsche und 1 Tscheche.

1922: Es wird eine tschechoslowakische Verfassung ohne Beteiligung der Minderheiten beschlossen und die selbsternannte Regierung beschliesst ein Sprachengesetz, wonach alle Beamten die tschechische Sprache beherrschen müssen.

Juli 1927: Sintflutartige Niederschläge in Zinnwald lösen eine verheerende Hochwasserkatastrophe im sächsischen Müglitztal aus. Ebenfalls in diesem Jahr wird die Autobuslinie Dresden - Zinnwald eröffnet.

1928: Zinnwald erlebt im Dezember einen starken Kälteeinbruch von über minus 33 Grad.

1929: Der Beginn der Weltwirtschaftskrise führt in den industrialisierten Sudetengebieten, aber auch in Sachsen zu großer Arbeitslosigkeit. Besonders in den Gebirgsdörfern, welche ohnehin nur von der kärglichen Landwirtschaft und dem Bergbau leben, herrscht wieder Not und Entbehrung.

20. Mai 1938: Die Teilmobilmachung der CSR beginnt, viele Bewohner von Böhmisch-Zinnwald, insbesondere Frauen und Kinder, flüchten nach Sächsisch-Zinnwald und Georgenfeld, die Männer entzogen sich so der drohenden Einberufung zum Militärdienst für die CSR. Am 10. Oktober ziehen in Zinnwald die tschechischen Behörden und Grenzkommandos unter dem Druck des Münchner Abkommens ab und die Wehrmacht marschiert im Grenzgebiet ein. Dieses Abkommen unterzeichneten Großbritannien, Frankreich, Italien und das Deutsche Reich.

9.Januar 1939: Die ersten Zinnwalder gehen als Freiwillige und Dienstverpflichtete zur deutschen Wehrmacht. Der zurückgetretene tschechische Präsident Benes wirbt unterdessen im Exil in London für seine Idee eines ´Transfers´ aller Deutschen aus der CSR.

1. September 1939: Der Zweite Weltkrieg bricht aus und noch im September beklagt Zinnwald seinen ersten Gefallenen. welchem noch zu viele folgen werden.

1942: Benes erreichte die Zustimmung Londons zu seinem von nationalistischem Hass geleiteten “Transferplan”.

8.Mai 1945: Die Deutsche Wehrmacht kapituliert und die Russen marschieren in Zinnwald ein, welches aber, im Gegensatz zu Altenberg, von Luftangriffen verschont bleibt. Blutiger Terror gegen alles Deutsche setzt ein und die Austreibung nimmt unmenschlichste Züge an. Allein in Aussig a.d. Elbe, nicht weit von Zinnwald, werden in viereinhalb Stunden 2000 Männer, Frauen und Kinder durch den tschechischen Mob grausam ermordet. Im gesamten Sudetengebiet und in Böhmisch-Zinnwald werden die Häuser, der Boden und sämtlicher Besitz enteignet und die Eigentümer müssen bis zu ihrer Vertreibung Miete für ihre eigenen Häuser an den tschechischen Staat zahlen. Die Menschen werden zu Fuß von Teplitz kommend “heim ins Reich´getrieben”, der wiedergekehrte Benes triumphiert “... das, was wir schon 1918 vorhatten, wird heute durchgeführt.". Die Menschen haben also nicht nur für Hitler und für die leider auch von Deutschen verübten Verbrechen im Krieg zu büßen, sondern auch für den unstillbaren Hass eines einzelnen Mannes.

6. Februar 1946: Der erste Bahntransport von Zinnwaldern in Viehwaggons nach Deutschland erfolgt, der Letzte war am 29. Oktober.

1948: Die noch aus beruflichen Gründen zurückgebliebenen Zinnwalder entziehen sich einer Verschleppung nach Innerböhmen, in eines der berüchtigten Konzentrationslager oder in den tödlichen Uranbergbau, durch Flucht nach Sachsen. Viele der damaligen Vertriebenen leben heute in Bayern, das bayrische Land übernahm die Obhut über alle Sudetendeutschen und erklärte sie nach dem Krieg zum vierten Stamm Bayerns.

Nachkriegszeit. Schwer gestaltete sich für die tschechische Seite mit dem Ende der Vertreibungen das Besiedeln des kargen und rauhen Erzgebirgskammes mit tschechischen Bauern. So verschwanden in der Nachkriegszeit hunderte deutsche Dörfer und Städte in Böhmen vom Erdboden.
So Verschwanden beispielsweise Fleyh, Grünwald, Motzdorf, Gebirgs-Ullersdorf, Kalkofen, Böhmisch-Müglitz, Ebersdorf, der Siebengiebel und auch Vorderzinnwald. Das Gebirgskammdorf wurde samt seiner Wallfahrtskapelle und seinen 54 Häusern geschleift, eingeebnet und nach seiner fast 600-jährigen Geschichte ausgelöscht. Andere Orte wie Voitsdorf wurden dem Verfall preisgegeben und sind heute kaum mehr bewohnbar. In Hinter- also Böhmisch Zinnwald selbst sind heute von einst einst 280 Häusern der einst 1500 Einwohner noch ganze 80-90 mit ca. 40 Personen vorhanden und bewohnbar. Der Bergbau wurde wie auch in Sächsisch Zinnwald aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Die tschechische Republik, scheint damals statt der Vertreibung ihrer Minderheiten das größere Übel gewählt zu haben, das kommunistische Regime samt seiner Misswirtschaft und was diese hinterließ...

1949: Georgenfeld und Zinnwald werden eingemeindet und führen seitdem den Namen Zinnwald-Georgenfeld. Böhmisch-Zinnwald, welches durch Dekret von 1918 den tschechischen Namen Cinvald führen musste, wird in Cinovec (Zinnberg) umbenannt und verliert damit seine Identität als einstiger Ort von Weltruf. Heute ist Böhmisch-Zinnwald zu Eichwald/Dubi eingemeindet und ein Torso einstiger Größe und kommunaler Regsamkeit.

1989: Mit dem Umsturz werden Stimmen zu Gemeinde-Gebiets-Reformen laut.

1994: Zinnwald-Georgenfeld wird ein Ortsteil der Bergstadt Altenberg, nicht ausschließlich amtlich, sondern auch postalisch nur noch Altenberg.

2000: Zinnwald gibt seinen historischen Ruf als Grenzpassierung in der Geschichte seit 1537 an den neuerbauten Grenzhof Altenberg ab, über diesen läuft seitdem der gesamte PKW- und LKW - Verkehr. Im Ortsbereich Zinnwald bleibt nur noch ein Grenzübergang für Fußgänger.

12.08. - 14.08 2002: Sintflutartige Regenfälle in Zinnwald führen mit zum Jahrhunderthochwasser in Sachsen, bei dem es im Müglitztal, Pirna, Dresden und weiten Teilen Sachsens zu schweren Schäden kommt. >>mehr

18.08.2007: Nach mehr als 470 Jahren pflanzten Zinnwalder Einwohner die traditionelle Grenzbuche
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21.12.2007: Grenzöffnung im Zuge des Beitritts der Tschechischen Republik zum Schengener Abkommen. Mit diesem Beitritt entfallen die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik. Damit ist es nun, erstmals seit 1537, wieder möglich die benachbarten Ortsteile  ohne Passkontrolle zu besuchen und die Grenze frei zu überqueren.

 

Anmerkung: Wir haben diese Aufstellung hier bewusst nicht als Chronik überschrieben, da es uns unmöglich ist für die Vollständigkeit zu garantieren. Aufgrund verlorengegangener, unersetzlicher, bzw. nicht mehr 100%ig nachweisbarer Unterlagen, haben wir uns hier überwiegend auf überlieferte Angaben stützen müssen. Diese haben zu einem großen Teil der Arbeitskreis Zinnwald, für ihre 1994 veröffentlichte Dokumentation über “Böhmisch Zinnwald”, zusammengetragen und unser besonderer Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit gehört allen daran Mitwirkenden.

Autor: Andre Erler